Schweden

Eine Sommerfahrt

 

Dienstag 4. Juli 2017

 

 

Um 15 Uhr treffen wir uns auf dem Marktpatz, nach Monaten des Wartens ist es nun endlich soweit – Schweden ruft! Wir packen die letzten Sachen, zurren die Boote im Hänger fest und ab geht die Post. Auf der ersten Raststätte, immerhin schon hinter Hamburg treffen wir auf einen sehr netten LKW Fahrer der uns mit Kirschen aus seinem Kühllaster beschenkt. Mit diesem unerwarteten Reiseproviant geht es weiter nach Travemünde. Auf dem Parkplatz teilen wir uns in Einkaufsgruppe und Hafenbesichtigungstour auf. Nach einem Abendbrot aus Schokomuffins und sauren Gurken, fahren wir zum Schwedenkai und stellen uns mit den Autos in die Schlange nach Malmö. 

 

 

Mittwoch, 5. Juli

 

 

Mit vielen La Ola Wellen, einer Polonaise um die wartenden Autos, tanzend, singend und springend und mit lauter Musik vertreiben wir uns die Zeit. Vor uns Glitzern die Lichter der Fähre in der Nacht. Dann geht es los, mit den Autos fahren wir auf die Fähre, beziehen unsere Kojen. Unser Zimmer wurde noch nicht gereinigt, schnell wirbeln zwei Crewmitglieder mit frischer Wäsche und Raumspray durch die Kabine und dann fällt die Hälfte von uns in tiefen Schlaf. Die anderen suchen noch den Whirlpool. Dort sind wir um drei Uhr nachts auch die einzigen Besucher. In der Mitte des Pools bildet sich Schaum – der kommt aber vom Waschpulver sagt Jorit, also baden wir beruhigt weiter. Madita und ich schauen uns noch den Sonnenaufgang an. Als wir in unsere Betten flitzen ist es dann auch schon fast ganz hell.

 

Aufwachen am Mittwoch: Es klopft an die Tür, wir ziehen uns schnell an und warten an der Reling, dass Malmö endlich vor uns auftaucht. Als wir ankommen geht es gleich weiter mit den Autos Richtung Årjäng. Während des ersten Halts um 12 Uhr fällt uns auf, dass wir die Tasche mit dem Frühstück auf der Fähre vergessen haben. Trotz vieler Telefonate gibt es keine Chance die Tasche wiederzubekommen. Also kaufen wir neues Essen und frühstücken auf dem Parkplatz eines Baumarktes. Nach ein paar unfreiwilligen Umwegen halten wir an einem See – vielleicht ist es auch das Meer – um zu Abend zu essen. Nach einem Bad und zwei aufgeschnittenen Füßen essen wir Wraps auf großen Felsen, die ins Wasser ragen. Weiter geht es, wir fahren mit den Autos durch die Dunkelheit und sehen sogar zwei Elche. Beim Tanken treffen wir auf Jugendliche die mit einem schönen und einem mittelhässlichen Auto die Tankstelle unsicher machen. Wir tanzen zu deren lauter Musik und werden verwundert gemustert. Weiter geht die Fahrt.

 

 

Donnerstag, 6. Juli

 

 

0 Uhr: wir haben ein Reh gesehen, es ist immer noch nicht ganz dunkel, der Horizont schimmert vor uns. Bei einer Straßenkontrolle muss Lucca pusten, wir dürfen weiterfahren. Wir sehen so viele Seen, Nebel und Wälder. Luzie versucht wach zu bleiben um einen dritten Elch zu sehen, wird dann aber doch vom Schlaf übermannt. Gegen ein Uhr erreichen wir endlich Töcksfors und wir halten auf einem Supermarktparkplatz. Es gibt sogar Toiletten, warmes Wasser und einen Spielplatz! Erschöpft packen wir zwei Kanus aus dem Hänger und breiten unsere Isomatten aus. Morgens werden wir von warmen Sonnenstrahlen geweckt. Wir frühstücken mit geputzten Zähnen auf dem Spielplatz. Jetzt geht es wirklich los! Die letzte Autofahrt zum Wasser, wir packen die Boote und parken die Autos. Auf dem Parkplatz am See treffen wir sechs VCPler die auf dem Weg nach Norwegen zu ihrem Sommerlager sind und fahren sie zum nächstgelegenen Supermarkt. Dann paddeln wir schließlich los. Allerdings gestaltet sich schon das Einsteigen schwierig – ein Boot kentert und alles ist nass. Weiter geht’s, wir paddeln und genießen die wunderschöne Landschaft und machen auch schon die erste Pause mit Sylt (Marmelade) und Avocadobroten. Abends erreichen wir den ersten Traumstrand. Wir baden, machen Ofenkartoffeln im Lagerfeuer und schauen den rosa Himmel an. Zu Gitarrenklängen essen wir jede Menge Süßigkeiten und fangen an das Mörderspiel zu spielen. Es fühlt sich alles nicht so richtig wirklich an, so schön ist es! Bevor wir einschlafen gibt es noch einen Schlangenalarm, nach einem kleinen Panikanfall von Madita stellt sich die Schlange als Otter heraus und alle schlafen beruhigt ein.

 

 

Freitag, 7. Juli

 

 

Freitagmorgen, es gibt schon zwei Tote aber der Mörder oder die Mörderin wurde noch nicht gefunden. Wir frühstücken und packen unsere Sachen und auf geht es in die Fluten. Die erste Pause nutzen wir um eine schwedische Kirche von außen anzuschauen und uns auf den Felsen in der Bucht zu sonnen. Ausgeruht und mit geflochtenen Zöpfen geht es weiter Richtung Süden. Wir kreuzen ein paar Wellen und eine große Bucht. Nach einem Blick auf die Karte haben wir es erstaunlich weit geschafft und finden einen Ort zum Übernachten. Wir gehen Baden und waschen unsere Haare. In der Hoffnung, dass es nicht regnet schlafen wir friedlich unter freiem Himmel ein.

 

 

Samstag 8. Juli

 

 

Mitten in der Nacht werden wir von Jorit geweckt – es regnet. Langsam stehen wir auf und bauen ein improvisiertes Tarp auf und legen Planen über die die Leute, die auf den Felsen schlafen. Später werden wir wieder geweckt, diesmal von starkem Regen. Wir rutschen zusammen um die plitschnassen Leute, die auf den Felsen geschlafen haben, aufzunehmen. Im Schatten der Dunkelheit bringe ich die letzten Überlebenden um und habe das erste Mörderspiel gewonnen. Morgens gibt es eine Scheibe Gurke und ein bisschen Paprika für alle, weil das Essen alle ist. Eine zweite Runde Mörderspiel beginnt. Wir entscheiden nicht weiter zu paddeln, nur zu viert fahren wir nach Lennartsfors um einkaufen zu gehen. Wir kaufen das gesamte Café leer und nach ein paar Käsebroten geht es wieder zurück zu den anderen, die inzwischen auf eine Nachbarinsel umgezogen sind. Es gibt Brot für alle und später Nudeln mit Pesto. Luzie wird als Mörderin enttarnt. Wir bauen sicherheitshalber jetzt schon ein Tarp auf und schlafen trocken bis zum nächsten Morgen.

 

 

Sonntag, 9. Juli

 

 

Die Hälfte ist nun schon vorbei. Wir packen unsere Sachen und diese Mal fahren wir alle gemeinsam nach Lennartsfors. Wir kaufen nochmal das gesamte Café leer und essen gemeinsam am Strand. Claas bringt den Steg fast zum Kentern und nach ein paar Polaroidfotoshootings geht es auch schon wieder weiter zum nächsten Schlafplatz. Wir kochen Nudeln, Kartoffeln und Kartoffelbrei und essen am Sandstrand. Danach machen wir einen Schweigemarsch diesmal paddelnd in den Booten. Nach dem fast lautlosen Anlegen erneuern wir unsere Versprechen als Pfadfinder. Zurück am Lagerfeuer singen wir noch lange und trinken Chai.

 

Montag, 10. Juli

 

Aufstehen, Kluft anziehen! Mit diesen Worten werden wir panisch geweckt, denn am gegenüberliegenden Ufer ankert ein Rangerboot. In Windeseile packen wir unsere Sachen und bauen die Loks ab. Zum Frühstück fahren wir sicherheitshalber ans nächste Ufer. Dort packen wir Brot und Käse aus und essen todesmutig – trotz diverse Warnhinweise vor einem riesigen Stier. Vor Wespen und Blutegeln fliehen wir Richtung Süden. Auf dem Weg begegnen wir vielen Inseln und einem perfekten Echo. Während einer Vormittagspause schläft der Großteil ein, Luzie, Ida und Maatje erkunden die Gegend und finden ein verlassenes Haus und finden einen Stock für Maditas Kleiderstange. Wir denken uns eine Melodie aus und Jorit schreibt zwei Strophen Text für unser eigenes Schwedenlied. Wieder geht es weiter, bis wir einen Übernachtungsplatz finden, auf einem Felsen mit rundum Seeblick und Sandstrand. Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Tomatensoße und Kartoffelpuffer aus dem restlichen Kartoffelbrei von gestern – tatsächlich sehr lecker! Nach einer kleinen Singerunde fallen wir in unsere Schlafsäcke und träumen.

 

 

Dienstag 11. Juli

 

 

Ausgeschlafen wachen wir von leichtem Nieselregen auf. Nach einem ausgiebigen Badespaßmorgen frühstücken wir auf den Felsen direkt am Wasser. Wir entscheiden uns noch eine Nacht hier zu bleiben. Lucca und ich machen eine Paddeltour, die anderen waschen ihre Sachen, Baden oder schlafen nochmal ein. Das Mittagessen wird in die Schlafsäcke verlegt, so können wir alle im Trockenen essen. Im Laufe des Nachmittags verlassen nur ein paar Mutige ihre Schlafsäcke und so essen wir auch das Abendessen auf unseren Isomatten. Es gibt Nudeln, mit Brokkoli Creme Suppe. Nachdem Vroni und der

Brillenvogel auch müde geworden sind fallen allen nach und nach die Augen zu.

 

 

Mittwoch, 12. Juli

 

 

So langsam ist es Tradition geworden, weil es sowieso die ganze Nacht hell ist bleiben wir lange auf und schlafen deshalb bis zum Mittag, Claas geht baden und dann fahren wir los. Heute Richtung Ziel – dort wo frosch die Autofahrer abholen kann um sie nach Töcksfors zu bringen. Schon an der ersten Gabelung bemerken wir, dass wir falsch losgefahren sind und drehen nochmal um. Nach zwei Stunden gemütlichen Paddelns sind wir dann auch schon am Zielort angekommen, wo schon liebevoll EMMA in die Klippe geritzt ist. Wir überlegen lange hin und her ob wir bei einem Bauern fragen um in einer Scheune schlafen zu können, oder ob wir unter freiem Himmel zelten wollen. Schließlich machen Claas und Madita noch 24 Pflöcke und wir bauen vier Loks auf, nachdem wir noch einmal Nudeln essen. Wehmütig sehen wir dem letzten Sonnenuntergang zu und denken an die wundervollen vergangenen Tage. Eine letzte Singerunde am See und dann ab ins Bett.

 

 

Donnerstag, 13. Juli

 

 

Ungewohnt früh werden wir schon um neun Uhr geweckt, frosch ist da um die Autofahrer abzuholen. Wir packen in Ruhe alle Sachen ein und bauen die Zelte ab, Jorit schreibt noch eine dritte Strophe für unser Schwedenlied und dann kommt auch schon der Hänger. Mit vereinten Kräften machen wir die Boote fest. Nachdem alles verstaut ist geht es nach Årjäng. Wir erwarten eine Stadt – es gibt immerhin einen Supermarkt, eine Pizzeria, eine Bibliothek und eine Apotheke. Wir besorgen jede Menge Essen, Medikamente und gehen auf die Büchereitoilette. Nachdem wir alles erkundet haben fahren wir zu frosch in deren Ferienhaus. Nach jeder Menge Saft, Süßigkeiten und UNO cruisen wir noch mit dem hauseigenen Motorboot durch die Gegend. Dann geht es wieder in die Autos, zurück nach Årjäng. Gemeinsam gehen wir Pizza essen, ein krönender Abschluss für diese Fahrt! Gestärkt treten wir die Heimreise an. Auf Richtung Malmö. Auf der nächtlichen Fahrt begegnen wir wieder Elchen, diesmal sogar zwei Kälber. Je weiter wir in Richtung Süden fahren, desto dunkler wird die Nacht.

 

 

Freitag, 14. Juli

 

 

Auto fahren, Auto fahren, Auto fahren, zwischendurch leuchtet im Cockpit die Kaffepausen Anzeige, aber ein Energiedrink tut es auch. Um fünf erreichen wir endlich den Hafen in Malmö – viel zu früh, Check In ist erst ab acht. In unseren Schlafsäcken schlummern wir noch mehr oder weniger gemütlich. Dann geht es auf die Fähre, der Welnesstag kann beginnen. Duschen, Sauna, Pool, Schwimmbecken mit Rutsche oder einfach nur im Schlafsack an Deck liegen, wir genießen die Überfahrt in vollen Zügen. In Travemünde angekommen geht es gleich weiter Richtung Bremen. Müde kommen wir gegen elf wieder zuhause an.

 

 

Schweden, wir kommen wieder!

 

 

Gut Pfad - Anna

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jens (Samstag, 02 September 2017 19:26)

    Sehr schöner Bericht ;-) Ich bin immer noch neidisch.