Hofwochenende

Auf Safari zum Bundeshof


Nachdem das MuWo ausfiel, um dem BuBi platz zu machen, fiel dieses auch aus und so machten sich die unerschrockensten Naturforscher des Gaus auf dem Weg zum Bundeshof, um in der arktischen Tundra des Eichsfeldes die Wunder der Flora und Fauna zu bewundern.

Für Bundeshofverhältnisse kam ich schon früh beim Bundeshof an. Es war ziemlich kalt, aber ich hatte gut vorgesorgt und mich warm angezogen. Nach ein paar Erkundigungen im Ort, fuhr das Auto von Christina vor – sie kam als Gast mit einer Freundin und wollte lernen und die Teilnehmer mit ihrer Anwesenheit erfreuen. Gemeinsam machten wir uns auf zur ersten Expedition: Die Suche nach den Schlitten (wissenschaftliche Bezeichnung: carpentum niveum). Schlitten sind hervorragend an das Leben im winterlichen Eichsfeld angepasst: der viele Schnee und die permanenten Steigungen machen ihnen nichts aus, sondern ermöglichen es ihnen, sich elegant fortzubewegen. Leider sind Schlitten sehr scheu. In ihrem vermuteten Lebensraum – den Schuppen und Kellern des Bundeshofes – konnten wir sie nicht entdecken.

Nach einiger Zeit kam auch die Küchencrew, deren expeditorisches Interesse aber eher in die Richtung ging, in welchem der Räume sie wohl am sinnvollsten schlafen könnten. Nachdem dies geklärt war – die Küche wohnt in der Wohnküche, das sagt doch schon das Wort – wurde die Pflanzenwelt des Gewürzschrankes eingehend unter die Lupe genommen. Dillspitzen (wiss. Bez.: anethum graveolens) waren der ungewöhnlichste aber auch der eindrücklichste Fund unserer vier kulinarischen Botaniker.

Gegen elf kamen auch die übrigen Naturforscher und wir konnten pünktlich um Mitternacht Nudeln mit zweierlei Sause und Dillspitzen essen.

Der nächste Morgen begann sehr spät. Wegen der fehlenden Verantwortungsstruktur waren wir nicht aufgestanden, sondern hatten alle darauf gewartet, dass uns jemand anderes weckt. Unsere Expedition auf den Kalvarienberg konnte daher nicht wie geplant vor Sonnenaufgang stattfinden, sondern verzögerte sich etwas. Außerdem mussten Moritz und ich noch die Ausrüstung – ein großes Holzkreuz – herstellen. Schließlich zogen wir den Kreuzweg betend auf den Berg, wo uns Marek jeweils die passenden Bibelstellen vorlas, während Lars die Aufgabe des Kreuzigens übernahm.

Oben auf dem Kalvarienberg erwartete uns nicht nur Pampf, sondern auch ein unfassbarer Ausblick. Claas übernahm die genaue Untersuchung der hiesigen Fauna: der Pampf stellt eine außergewöhnliche ökologische Nische dar, in der sich Paradiesfeigen (wiss. Bez.: Musa paradisiaca; im Volksmund auch Banane genannt) breit machen. Paradiesfeigen und Claas sind natürliche Feinde.

Marek strebte derweil nach größerem: er interessiert sich vor allem für die Leittiere der Gattung canis lupus. Diese größten Vertreter aus der Familie der Wölflinge oder auch Grüntuchträger wollte er nun in einer kleinen Zeremonie bestätigen: Claas, der seinen Kampf gegen die Bananen gewann, indem er sich mit deren Fressfeinden verbündete, und Madita, die eine schwesterliche Hosendiskussion gerade beendet hatte, wurden zu Akelas bestätigt.

Die unwirtliche Umgebung des Kalvarienbergs zwang uns tapfere Abenteurer

 

jedoch bald wieder runter ins Tal zu unserer Basistation, wo wir uns gemütlich aufwärmten. Doch dort waren wir nicht tatenlos: mir wurde die bis dahin völlig unbekannte pädagogische Ruheschildkröte (wiss. Bez.: testudinata silentium paedagogica) vorgestellt: ein pädagogisch sinnvoller Vertreter der Ruhetiere, die stets von nervigen Liedern über ihre Ruhe begleitet wird, und die den Schweigefuchs (wiss. Bez.: vulpinum silencium) fast völlig ausgerottet hat. Im Gegenzug hielt ich meinen Wissenschaftskollegen eine Vorlesung über den gemeinen Brillenvogel (wiss. Bez.: avis oculus), eine variantenreiche Gattung, die sich mit verschiedenen Gurr-, Schnatter- und Krächtslauten verständigt, aber auch der menschlichen Sprache mächtig ist. Aufgrund der nahen Verwandtschaft zum Pfau (wiss. Bez.: pavo) kann er auch einen farbenprächtigen radfömigen Schwanz haben. Auch tauschten wir uns über vergangene Expeditionen nach Südamerika aus.

Am Abend kredenzte uns die Küche ein gelbes Curry mit Dillspitzen. Im Anschluss beschäftigten wir uns in unserem Stämmen. Lucca und Johanna machten sich Sorgen bezüglich der Bildung unseres Stammes: Nachdem sie den Nachtmittag damit verbracht hatten, Interviews zu führen und in allen möglichen Varianten ihre Meinung zum Bund aufzuzeichnen, wurde nun ein Quiz gespielt, das es in sich hatte.

Der Sonntag begann früher als der Samstag, weil inzwischen eine Weckhierarchie festgelegt worden war.

Zum Dasein eines Naturforschers gehört jedoch mehr, als das Finden und Klassifizieren von Tieren und Pflanzen: Drei unserer leitenden Bergsteiger benötigten dringend ein langes aber dünnes Band, um eine Schlucht zu überqueren und verwickelten so alle Anwesenden in ein spaßiges wenn auch furchtbar kaltes Geländespiel, dessen Regeln von Expeditionen zu einem gewissen Berg in Südamerika inspiriert worden waren.

Im Anschluss gab es noch einen Runterrollwettbewerb für die ganz Unerschrockenen.

Zurück im Basiscamp ging auf die schwierigste und komplizierteste Suche unserer Safari: Die Suche nach dem Hofbuch (wiss. Bez.: hofus buchus). Nach stundenlanger Suche im ganzen Haus und besonders in der Bibliothek gab uns schließlich Gesa den entscheidenden Tipp und wir entdeckten ein Nest von Hofbüchern in einer Vitrine. Vor dem Ofen auf dem Schlafboden begann nun die genaue Analyse: Erlebnisse seit über achtzehn Jahren lagen vor uns ausgebreitet. Im aktuellen Hofbuch wurde noch schnell ein Eintrag verpasst, den wir mit einem kleinen Lucca (wiss. Bez.: maiori tentorii tecton) verschönerten.

Wie es weiterging? Das weiß ich nicht. Andere, wichtige und wissenschaftliche Gründe verlangten für mich einen Abbruch der Mission. Doch die übrigen Abenteurer und Naturforscher haben noch bis Montag die Flora und Fauna des Eichsfeldes genau erforscht. 

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